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Willkommen

Herzlich Willkommen auf meinem Reiseblog. Mein Name ist Jean-Martin Harder, ich bin 19 Jahre alt und leiste zur Zeit meinen Freiwilligendienst, mit Hilfe der Organisation "Volunta" vom Deutschen Roten Kreuz, in Bolivien ab. Hier erhalten sie regelmäßige Informationen über meinen Alltag als FSJler, meinen täglichen Aufgaben und Wissenswertes über Land und Leute.

Ankunft in Santa Cruz: 17.09.2009; seit:

in Bolivien.

Uhrzeit Deutschland:


Uhrzeit Bolivien - Sucre:

Das Hostel – Der Anfang

Ausser Don Balbino und Marco, seinem kochenden Sohn, gehören zum Hostel noch Juana, die Quetschua-Köchin und Küchenhilfe, und ihre Kinder Hugo, der 8 Jahre alt ist, und Fabiola, die etwa 4 Jahre alt ist. Während Hugo vormittags in die Rosalia geht, ist Fabiola allgegenwärtig, und mischt als rasender Wirbelwind den Hostelbetrieb auf. Dieser besteht leider hauptsächlich aus dem Restaurantzweig, der die Einheimischen mit günstigem, ordentlichem Essen versorgt. Das läuft hauptsächlich unter der Woche, meist sind die Gäste „Abonnementen“ die zum Sondertarif speisen. Dabei helfen wir 4 Freiwilligen beim Servieren der Speisen. Vom Touristenrummel am Wochenende bekommen wir leider nur sehr wenig mit.

Tarabuco ist bekannt für seinen Bauernmarkt, den Mercado Campesino, auf dem jeden Sonntag Einheimische in traditioneller Tracht ihre Waren anbieten. Das Örtchen ist dabei wie ausgewechselt: Wo die Woche über die verschlafene Atmosphäre dominiert, herrschen am Wochenende die Touristen und die Händler, die versuchen eben diese über den Tisch zu ziehen. Dabei hat sich erkennbar die Zielgruppe des Marktes verändert. Während an der Ecke noch Macheten und Eisenwaren angeboten werden, haben viele Händler umgesattelt, auf Portemonnaies, in Plastik eingeschweißt und mit Reißverschluss und Druckknopf. Trotzdem erfreut sich dieser Markt noch so großer Bekanntheit und Nachfrage, dass Tarabuco in vielen Reiseführern nur Sonntags existiert, was den Übernachtungsbetrieb im Hostel nicht fördert. So sind es die wenigen Touristen, die sich hierhin verirren, die ein Zimmer nehmen.

Am nächsten Morgen, Montag, stehen wir um 5 Uhr morgens auf, da uns Fernando, ein Lehrer aus Cororo versprochen hat uns um 6 Uhr am Hostel abzuholen, um uns mitzunehmen in seine Schule, eine weitere mögliche Einsatzstelle. Als er um Viertel nach 6 noch nicht aufgetaucht ist, macht sich schon! Nervosität breit, da er stets betont hat, dass wir den Truffi nach Cororo nicht verpassen dürfen. Wir begeben uns auf die Plaza, den Hauptplatz Tarabucos, wo wir ihn zufällig so zeitig treffen, dass uns der Truffi vor der Nase wegfährt. Nun heißt es schnell laufen, sodass wir möglichst schnell an der ersten Kreuzung ausserhalb Tarabucos in Richtung Cororo sind, wo dann tatsächlich noch ein Truffi hält. Mit ihm legen wir die 15 km nach Cororo zurück, wo wir gegen 7 Uhr eintreffen, um von Fernando zu erfahren, dass die Schule gegen halb 9 beginnt. Also entschliessen wir uns dazu einen Spaziergang zu machen. Wir schlendern durch den Ort, und an einem ausgetrockneten Flussbett entlang aus ihm heraus. Bald darauf treffen wir auf eine junge Frau, die mit ihrem Sohn/ kleinem Bruder? Ton für einen Ofen abgebaut hat. Sie müht sich mit ihm ab, die zwei Säcke nach Hause zu tragen, sodass wir ihr helfen, und dafür zum Frühstück eingeladen werden. Dazu führt sie uns in ihr bescheidenes Zuhause, das aus einem Hof, zwei Lehmhütten und einer überdachten Feuerstelle besteht. Dort gibt es gebackene Maiskörner und ein interessantes Gespräch, dem wir aber nur teilweise folgen können, da es über weite Strecken auf Quetschua geführt wird.

Anschließend haben wir uns in der Schule dem Kollegium vorgestellt und an einer ersten Englischstunde teilgenommen. Die Lehrerin hat uns sofort in den Unterricht eingebunden, und uns gebeten in Zukunft jeweils Montag und Dienstag ihren Oberstufenunterricht zu begleiten. Das haben wir zugesagt, und uns dann noch eine andere Klasse angeschaut. Nachdem wir dann letzte Einzelheiten mit der Schulleitung geklärt haben, machen wir uns auf den Heimweg. Das heißt wir laufen bis zur Kreuzung der Straße nach Cororo mit der nächstgrößeren Straße, und warten dort etwa 10 Minuten. Dann kommt auch schon ein Lkw vorbei, den wir per Handzeichen anhalten, um auf die Ladefläche einzusteigen. Dort befinden sich schon etwa 12-15 Personen, 1 Huhn und 3 Rinder, und mit reichlich Tempo geht es auf der schlecht gepflasterten Straße zurück nach Tarabuco. Dort bezahlen wir trotz Don Balbino, der uns begleitet hat, den Gringopreis (dreifach) für die Fahrt, und sind pünktlich zum Mittagessen daheim.

Nach einer Siesta machen wir uns daran den verwahrlosten Hinterhof des Hostels in einen Garten zu verwandeln, in dem Gemüse angepflanzt werden kann. Dazu sammeln wir zuerst den Müll auf, der dort verstreut liegt. Daraufhin bauen wir uns ein Wurfsieb, mit dem Felix und ich den Schutt, der zwei Drittel des Hofes bedeckt trennen wollen in Steine und nutzbare Erde. Balbino scheint von der Idee angetan, und so machen wir uns an die Arbeit. Nachdem wir eine Ecke bereits ausgehoben und gesiebt haben, stoßen wir jedoch auf eine Schicht aus vielen Steinen. Wie uns Balbino am nächsten Tag bestätigen wird, ist ein weiteres Drittel des Hofes so gepflastert, wie das freiliegende Drittel, was unsere Gartenplanung ziemlich durcheinanderwirft. Was nun aus dem Hinterhof wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

25.10.09 17:46


Tarabuco

Um Sucre zu verlassen, gehen wir, geführt von Anna und Catalina, die vom weltwärts-Projekt in Tarabuco sind, zu einem Laden, vor dem die Truffis, Kleinbusse a 9 Sitzen mit 2 zusätzlichen Klappsitze für 11-18 Personen, nach Tarabuco losfahren. Leider hat es etwas länger gedauert unser Visum zu beantragen, das uns erlaubt uns ein Jahr lang hier aufzuhalten: Nachdem wir den Aids-Test „bestanden“ , Passfotos gemacht und uns bei Interpol registrieren lassen haben, firl der Migracion, der Einwanderungsbehörde auf, dass wir das Visum schon in Deutschland hätten beantragen sollen. Doch Arturo, unser bolivianischer Ansprechpartner, hat das geregelt. Trotzdem waurde es etwas knapp, sodass wir beinahe den letzten Truffi verpasst hätten. Dieser fährt uns dann zum Gringopreis (doppelt) nach Tarabuco, weil wir die letzten seien.  Als wir uns damit abgefunden haben, steigen noch 5 weitere Personen ein, die vorher vollkommen teilnahmslos herumgestanden hatten. Natürlich ergab sich dadurch für uns keine Preissenkung.

Nach anderthalb Stunden Fahrt kommen wir gegen halb acht in Tarabuco an. Es liegt malerisch zwischen  Hügeln auf 3200 Metern, und ist damit nochmal 400m höher gelegen als Sucre. Als wir ankommen, ist es bereits dunkel, da die Sonne hier gegen halb sieben untergeht. Wir begeben uns ins Hostel, wo uns Marco, der Sohn von Don Balbino, dem Herbergsvater,  mit einem Abendessen empfängt. Nachdem wir dieses zu uns genommen haben, sitzen wir noch ein bisschen zusammen, um uns bekannt zu machen.

Am nächsten Morgen führen Anna und Catalina uns durch den Ort , undzeigen uns die beiden Grundschulen, das Colegio(Sekundärstufe), die Plaza und andere wichtige Punkte in Tarabuco. Nach dem Mittagessen steigen wir auf einen kleineren Hügel, von dem aus man den Ort überblicken kann. Von oben können wir das Gesehene  besser lokalisieren, und uns einen ungfähren Plan erstellen.  Kaum zu übersehen ist dabei, dass ein Arm von Tarabuco, das wie ein L aufgebaut ist, deutlich ärmer aussieht, als der andere. Die Kinder dieses Teiles gehen in die Grundschule Mendietta, in der ich auch tätig sein werde, während die Anderen in die Rosalia gehen, eine deutlich neuere, modernere Schule, in der eine dänische Freiwillige Englischunterricht gibt, weshalb ich dort eher weniger arbeiten werde.

Als wir wieder ins Hostel zurückkehren, treffen wir dort auf Don Balbino, unseren „Vorgesetzten“ und Koordinator, der vor Freundlichkeit und Ideenreichtum übersprüht. Da er in jungen Jahren in Deutschland Argrarwissenschaft studiert hat, kann er sogar ziemlich gut Deutsch, sodass wir schnell in einem Mischmasch aus Spanisch und Deutsch ins Gespräch kommen. Sofort schmiedet er Pläne, was wir noch alles mit ihm machen sollen, den höchsten Berg der Umgebung will er mit uns ersteigen und die Schlucht in Icla will er uns zeigen, die Catalina touristisch erschliessen möchte, und in der es Dinofussabdrücke zu sehen gibt. Doch zuerst gilt es für uns uns hier einzufinden, und zu planen, was wir wann arbeiten wollen, was wir von den Vorgängerfreiwilligen übernehmen, und was wir an Projekten neu starten.

24.10.09 18:49


Die erste Phase: Flug-Santa Cruz-Sucre

In diesem ersten Eintrag möchte ich meine erste, aufregende Woche zusammenfassen.

Sie beginnt am 16. Sptember 2009 7:25 Uhr am Frankfurter Flughafen. Nachdem ich mich von meinen Lieben verabschiedet habe, startet mein erster Flug Richtung Paris, Charles de Gaulle, in den wolkenverhangenen Himmel. Nach wenigen Minuten sehe ich von Deutschland nur noch eine geschlossene Wolkendecke, und es scheint als fiele der Abschied ganz leicht. Nach kurzer Zeit  jedoch geht der Airbus der Air France in den Sinkflug über, durchstößt die Wolkendecke, die weiterhin den Blick auf den Boden versperrt, und setzt zur Landung an. Sind wir denn immernoch über Deutschland?

Nein, über Paris herrscht nur genau das selbe Wetter, dass wir uns bewegt haben merkt man nur am gereichten Frühstück: Croissant und eine Tasse Kaffee. Der Anschlussflug über den Atlantik zeigt dann aber eindrucksvoll, dass wir uns weit weg bewegen. Stundenlang ist aus den Fenstern nichts zu sehen als die blaue Weite der Wellen. Die Ungewissheit, was mich erwartet wird dadurch immer drückender. Doch wird sie bald abgefedert durch die anderen Freiwilligen, mit denen ich mich gut über solche Gedanken unterhalten kann. Das wir alle nicht viel wissen, lässt uns noch mehr zu einer Gruppe werden, die gewillt ist alle Schwierigkeiten auf sich zu nehmen.

Und dieser Wille wird promt auf die Probe gestellt. In Hugo Chavez' Venezuela, genauer am Flughafen Caracas Internacional, wird einer von uns, Janis, ausgewählt, bekommt eine Warnweste übergeworfen und wird aufs Rollfeld eskortiert. Das alles geschieht kurz vor unserem Weiterflug, sodass wir aufgrund seines immer längeren Fortbleibens anfangen nervös zu werden. In letzter Minute taucht er auf, erleichtert erzählt er uns, dass er sein Gepäck im Rahmen einer Routine Kontrolle öffnen musste. Und das mitten auf dem Vorfeld, unter den Flügeln unseres nächsten Flugzeuges. Willkommen in Südamerika!

Unser nächster Flug führt uns von Cararcas über Lima nach Santa Cruz, unserem Zielflughafen. Dort werden wir um halb zwei nachts von unseren Ansprechpartnern abgeholt. Dies sind Max und Arturo. Max, Schweizer und Präsident der Hostelling International Bolivia Stiftung, wird uns noch einige Zeit in Santa Cruz und Sucre begleiten, während Arturo unser bolivianischer Ansprechpartner vor Ort für das nachste Jahr sein wird. Wir verteilen uns auf Taxen, die uns in die Innenstadt bringen, wo wir im Hostel, froh endlich angekommen zu sein, in unsere Betten fallen.

Am nächsten Tag, sozusagen "Dia 1 en Bolivia" schauen wir uns zunächst die Stadt Santa Cruz an. Wir bestaunen die Skulpturen an auf den Rotondos, den reichlichen Kreiseln, und weitere Sehenswürdigkeiten. Danach fahren wir, ein Geschenk von Max an uns, über den Hochwasserdamm an den Fluss, wo wir mit Quads an unsere Grenzen gehen können. Anschliessend genießen wir bei am Fluss ansässigen Indianern ein für Santa Cruz und Umgebung typisches Mittagessen. Dann geht es für uns zurück ins Hostel, wo wir uns vom Schlamm säubern. Max hat noch eine besondere Tour mit uns vor. Sie führt über den ehemaligen Drogenstrich, aus dem dank einer Initiative mit seiner Beteiligung eine Gasse des Kunsthandwerks entstanden ist, in der ehemalige Drogenabhängige ihre Erzeugnisse anbieten.

Dass Santa Cruz eine Stadt im Wandel ist, zeigt uns einen Tag später auch eine Tour durch die Aussenbezirke. Obwohl sie auf den ersten Blick erschreckend aussehen, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass ein deutlicher Unterschied zu den oft gezeigten Slums anderer Städte besteht. Man sieht niemanden betteln, jeder scheint eine Nische zu finden, in der er arbeiten kann, um sich ein Auskommen zu schaffen.

Eine ganz andere Seite der Stadt zeigt uns eine Fahrt wenige Kilometer aus Santa Cruz heraus. Durch sich im Aufbau befindende wohlhabende Wohnviertel verlassen wir die Stadt, und gelangen an die prähistorische Küste des Urkontinents Pangäa. Diese liegt heute zwischen Urwald und Anden, wo sie kaum jemand vermuten würde. Wir fahren weiter und gelangen in ein Dorf, das sich unweit von Santa Cruz etwa auf dem Stand von 1520 gehalten hat. Natürlich gibt es mittlerweile Autos und Lkws, doch die Gebäude zeigen uns, wie es damals in einem Dorf des kolonialisierten Südamerikas aussah. Gegen 17 Uhr fahren wir im Schlafbus ab Richtung Sucre, der Hauptstadt Boliviens.

Nach 16 Stunden Fahrt inklusive zweier Pausen haben wir die 550! Kilometer hinter uns gebracht und erreichen am 19. September Sucre, die weiße Stadt. In den folgenden Tagen steht ein Seminar an, in dem wir mehr über die prähispaniolische Geschichte Boliviens, die Konolialzeit, die Revolution und die aktuelle Politik erfahren. Weitere Themen sind Gesundheit, Kriminalität und, von uns sehnlichst erwartet, die Einsatzstellen, und ihre Verteilung. Seit gestern steht für mich nun fest, dass ich die erste zeit bis zum Jahreswechsel mit Felix in Tarabuco verbringen werde.

Trotzdem bleibt uns auch genügend Zeit die Stadt zu erkunden, die Innenstadt, den Aussichtspunkt auf den Hügeln über der Stadt und den Mercado Campesino, den Bauernmarkt der Stadt. Zudem waren wir in der Hutfabrik "Sombreros Sucre", um uns der enormen Sonnenstrahlung gerecht auszustatten. Viel Zeit nimmt allerdings ein Behördenmarathon in Anspruch, den wir auf uns nehmen müssen, um unser einjähriges Visum zu erhalten. Da dies sich verzögerte, steht nun für übermorgen, Freitag den 25.September die Fahrt nach Tarabuco an. Ich werde im November nochmals nach Sucre zurückkehren, um mein Spanisch unter der Aufsicht der Profesora Monica zu verbessern.

Was ich bis dahin erlebe, wie es in Tarabuco ist und was meine Aufgaben sind könnt ihr hier mitlesen.

24.9.09 00:19


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