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Willkommen

Herzlich Willkommen auf meinem Reiseblog. Mein Name ist Jean-Martin Harder, ich bin 19 Jahre alt und leiste zur Zeit meinen Freiwilligendienst, mit Hilfe der Organisation "Volunta" vom Deutschen Roten Kreuz, in Bolivien ab. Hier erhalten sie regelmäßige Informationen über meinen Alltag als FSJler, meinen täglichen Aufgaben und Wissenswertes über Land und Leute.

Ankunft in Santa Cruz: 17.09.2009; seit:

in Bolivien.

Uhrzeit Deutschland:


Uhrzeit Bolivien - Sucre:

Das Bad

Gestern gegen halb Neun klopfte es an der Pforte des Hostels. Ich ging um zu öffnen, und es verschlug mir die Sprache, als ein bolivianischer Militär in voller Tarnkleidung vor mir stand, und schnell und eindringlich spanisch auf mich einredete. Zum Glück war Don Balbino schnell da, und klärte die Situation: Der Soldat hatte höflich gefragt, ob er unsere Dusche benutzen könne, da bei ihnen das Wasser ausgefallen sei. Dies möchte ich zum Anlass nehmen die Bäder, die mir bis jetzt begegnet sind näher zu beschreiben. Den ersten Eindruck bekam ich in Caracas. Dort fiel mir außer der enorm langen Schlange noch nicht viel auf, nur dass die Seife entfernt wurde und durch Desinfektionsmittel ausgetauscht worden war, um der hier allgegenwärtigen Gefahr der Schweinegrippe gerecht zu werden. Nächste Station: Santa Cruz – nächstes Bad. Auch hier fiel mir auf den ersten Blick nichts besonders auf. Das Erwachen kam als ich mich daran machte als erster zu duschen, genau als ich das Wasser aufdrehen wollte fielen mir die nicht isolierten Drähte auf, die aus der Wand zum Duschkopf reichten. Da mir die Kombination von Wasser und Elektrizität im Duschkopf nicht ganz geheuer war, blickte ich mich weiter um. An der Wand rechts von mir fand ich tatsächlich eine Sicherung, durch eine kleine Tür aus Plexiglas geschützt. Nachdem ich mich überzeugt hatte, dass die Schalterstellung auf 0 war, fing ich beruhigt an zu duschen. Später erfuhr ich dann, dass in den Duschkopf ein Durchlauferhitzer eingebaut ist, und dass die Installationen meist sicher sind. Empfohlen wurde mir nur, mich beim Duschen nicht zu strecken. Und von Felix bekam ich geschildert, wie er bei eingeschaltetem Erhitzer jedesmal, wenn er das Wasser abdrehen wollte vom Hahn einen Schlag bekam. Sucre: Hier gab es dieses Problem nicht. Ein Boiler sorgte für warmes Wasser, mit 2 Hähnen konnte ein jeder die gewünschte Wassertemperatur zusammenmischen. Anders war es nur als Janis duschen wollte. Nach kurzer Zeit erschien er mit einem Duschtuch bekleidet in der Freiwilligenküche, wo wir anderen beisammensaßen, und beklagte, dass das warme Wasser mitnichten wärmer sei als das Kalte. Felix wusste Rat, er hatte dieses Problem schon ein Mal mit Arturo zusammen gelöst. Zielsicher ging er nach draußen, öffnete eine Klappe an dem weißen Kasten, der neben der Küchentür an der Wand hängt, und zündet mit einem Streichholz den Brenner wieder an, der dort für das Warmwasser sorgt. Immerhin ließ sich dieses Problem schnell beheben, sodass der Duschspaß ungebremst weitergehen konnte. Tarabuco: Schon auf dem Weg nach Tarabuco erklären uns Anna und Catalina, dass das Bad der Voluntarios renoviert werden soll, und dass sie sich nicht sicher sind, ob es schon fertig ist. Als wir ankommen erfahren wir aber von Marco, dass es tatsächlich fertig geworden ist. Anders ist diesmal, dass mir etwas sofort auffällt, als ich das Bad betrete: Der Spiegel hängt nicht über dem Waschbecken, sondern über der Toilette, was beim Rasieren zum improvisieren zwingt. Aber auch hier liegt die echte Tücke im Detail. Und dieses Detail ist der Spülkasten: Er schliesst manchmal nicht richtig, sodass einströmendes Wasser nicht den Spülkasten füllt, sondern ungehindert durchläuft. Wenn dies nun über Nacht der Fall ist, sind auch die Speichertanks auf dem Dach leer, sodass erst wieder Wasser hochgepumpt werden muss, was für den Soldaten hieß, dass er sich noch etwas gedulden musste, bevor er die ersehnte Dusche nehmen konnte. Alles in Allem sind die Bäder zwar etwas chaotisch, versprühen aber auch einen ganz eigenen Charme, und es gibt selten Probleme, die nicht mit wenigen Handgriffen zu lösen wären.

28.3.10 23:54


Feiertage

Todos Santos

Todos Santos ist Allerheiligen, hier der 1. und 2.November. An diesem Tag wird traditionell den Toten des vergangenen Jahres gedacht. Dazu geht man am 1. November auf den Friedhof, um dem Toten seine Lieblingsspeisen und –Getränke zu bringen, und mit ihm zu feiern. Das dauert den ganzen Tag, bis in die Nacht verbringt man Zeit mit dem Toten. Dazu werden die Gräber geschmückt und der Friedhof hergerichtet.

Am 2.November sind die Menschen des Dorfes nun bei den Familien der Verstorbenen eingeladen. Die Häuser sind geschmückt, und die Türen stehen symbolisch offen. Wer eintritt und für die Seele des Verstorbenen betet, wird zu einem reichhaltigen Essen eingeladen, das auch reichlich Getränke, meist alkoholische, enthält. Dadurch ist das ganze Dorf auf der Straße, auf dem Weg von Mittagessen zu Mittagessen. Und dazwischen findet man auch Zeit sich mit Bekannten auf die Gehsteige zu setzen, und einfach so zu trinken…

Buena Noche

Heiligabend wird hier im Kreis der Familie gefeiert. Das Abendessen wird relativ spät gegessen, etwa um 10Uhr herum. Davor und danach tanzen die Kinder um selbstgebaute Weihnachtsaltäre. Um Mitternacht werden die dann ins Bett geschickt, und der erwachsene, alkoholische Teil der Feier beginnt. Geschenke gibt es meist nur für die wohlhabenderen Kinder in der Stadt, und erst am 25. Dezember. Der Überraschungseffekt ist dabei gering, weil die meisten Kinder mit ihren Eltern die Geschenke kaufen gehen. Am 25. gibt es dann nochmal ein Festessen mit der ganzen Familie.

Noche Vieja/Año Nuevo

Silvester wird hier ganz ähnlich gefeiert wie bei uns, mit Familie, Freunden und Bekannten. Das Feuerwerk fällt jedoch zumindest in Sucre deutlich kleiner aus. Dafür gibt es Orte wie Copacabana, die für ihr Feuerwerk national berühmt sind. Ebenso wird auf das neue Jahr angestoßen, und um Mitternacht sind auch die Straßen voller leicht alkoholisierter, und deshalb deutlich kontaktfreudigerer Bolivianer. Zudem sind gerade an den Feiertagen viele Gringos und Touristen unterwegs. Neujahr wird dann ebenso wie in Deutschland zum Erholen genutzt. Dabei sind aber durchaus Geschäfte offen, es wird nur davon abgeraten mit den Bussen in der Stadt und Überland zu fahren, da die Fahrer meist vom Vortag noch Restalkohol mitbrächten…

Generell wird in Bolivien sehr viel getrunken, vor allem Singani, einen Tresterschnaps, Chicha, ein von den zahlreichen Chicherias zubereitetes Maisbier, Bier und vor allem in Potosí auch purer Alkohol, auf dessen Flaschen der Aufdruck „Buen Gusto“ leuchtet. Balbino meinte einst: „Wenn jemand in Bolivien auf der Straße schläft, dann nicht weil er kein Haus hat, sondern weil er einen Rausch hat.“ Dass dies ein großes Problem des Landes ist, haben aber mittlerweile einige Bolivianer verstanden, und es bleibt abzuwarten, ob sich dort etwas tut.

29.3.10 00:11


Bericht FSJ statt Zivildienst im Ausland 2009/2010

Quartalsbericht I

1. Arbeit in den Einsatzstellen

Meine Einsatzstellen sind zurzeit hauptsächlich das „Colegio Aniceto Arce“ in Tarabuco, das „Colegio Nacional Bolivia“ im 35km entfernten Cororo, sowie zu einem großen Teil das Hostel in Tarabuco selbst.

In den Colegios gebe ich, mit Unterstützung von Anna, einer „weltwärts“-Freiwilligen hier, Englischunterricht. Dabei sind wir an zwei Tagen, Montag und Dienstag, in Cororo, und Mittwoch in Tarabuco tätig. Unsere Tätigkeit in Tarabuco würden wir gerne ausbauen, allerdings hat uns die dortige Schulleitung erklärt, dass sie das nicht befürwortet, aus Angst, dass dann die richtige Englischlehrerin nicht mehr komme. In Cororo wurden wir sehr freundlich empfangen, die einzige Schwierigkeit, die sich dort zum Teil ergeben hat, ist der Rücktransport, bei dem wir auf vorbeikommende Autos und Camiones angewiesen sind, was aber bisher nicht zu übermäßigen Wartezeiten geführt hat. Außerdem werde ich im neuen Schuljahr in die Grundschulen „U.E. Manuel G. Mendieta“ und die „U.E. Rosalia“ gehen. In der Rosalia liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf Englischunterricht, da kein Englischlehrer vorhanden ist. In der Mendieta will ich das Gewächshausprojekt meiner Vorgänger fortsetzen, was bisher aus mangelndem Interesse seitens der Schulleiterin nicht geschehen ist. In beiden U.E.s ist außerdem eine Assistenz beim Sportunterricht geplant. Zu allen möglichen Einsatzstellen hat uns Don Balbino, der Herbergsvater, das erste Mal persönlich begleitet und hat uns vorgestellt. Sonst ist die Arbeit relativ selbständig, natürlich immer in Abstimmung mit den Englischlehrerinnen der Colegios. Dadurch haben wir eine große kreative und stoffliche Freiheit in der Gestaltung unseres Unterrichtes.

Im Hostel liegen unsere Aufgaben mehr im handwerklichen Bereich. Zusammen mit Felix habe ich den Hinterhof aufgeräumt, der ziemlich vermüllt war. Nachdem dies getan war, haben wir mit Balbino einen Plan erstellt, wie der Hof in Zukunft genutzt werden soll, und ich habe mich nach dem Abtransport einigen Abraums nun daran gemacht diese Pläne umzusetzen. Sie beinhalten das Anlegen eines Gemüsebeetes, das Bauen eines Brunnenhäuschens, sowie die Renovierung des Hofes an sich, Streichen der Wände etc. Dazu mussten wir das Holzlager des Hostels verlegen und einen Teil des Hofes nivellieren. Auch dabei hat uns Balbino beraten und z.T. auch selbst mit Hand angelegt.

In dieser ersten Zeit, in der auch mein Spanisch noch nicht so sicher saß, und ich aufgrund dieser Sprachbarriere nicht so viel Eigenständiges machen konnte, fühlte ich mich teilweise unterfordert. Das wird sich aber, hoffe ich, im nächsten Quartal deutlich ändern.

 

2. Zurechtfinden außerhalb der Einsatzstelle

Die Kontaktmöglichkeiten hier in Tarabuco waren bis jetzt sehr gut, vor allem dadurch, dass im Hostel ein kleines Restaurant betrieben wurde, und man so beim Servieren der Speisen mit den Einheimischen in Kontakt kam. Leider gibt es hier in Tarabuco nur wenige Jugendliche in meinem Alter, da die meisten zum Studieren nach Sucre gehen. Unsere Versorgung ist durch das Restaurant und Balbino sichergestellt, außer bei der Zubereitung und beim Servieren zu helfen müssen wir wenig tun. Und wenn uns doch etwas fehlt, gibt es das meist in einem der Geschäfte an der nächsten Straßenecke, oder in Sucre, das nur anderthalb Stunden mit dem Bus weg ist. Von Zeit zu Zeit gehen wir auch mal zum Essen aus, manchmal mit Balbino, manchmal alleine. So verhält es sich auch, wenn mal wieder eines der zahlreichen Feste in Tarabuco stattfindet.

Unsere Unterbringung in den Räumen des Hostels ist sehr gut, auch wenn sich dort im nächsten Quartal etwas ändern wird, da wir ein männlicher Voluntario mehr sein werden. Seit neustem haben wir auch Internet im Hostel, somit ist der Kontakt nach Deutschland per eMail sichergestellt. Die meisten unserer Handys haben allerdings Probleme mit dem Handyempfang in Tarabuco, sodass telefonieren nur von Sucre aus möglich ist. Auch die nächste Möglichkeit Briefe aufzugeben und zu empfangen ist das „Officina de Correos“ in Sucre. Auch ansonsten gibt es keine Probleme außerhalb der Arbeitszeiten zu beschäftigen.

3.Organisatorische Fragen

Auch hier bin ich zufrieden, die Anreise hat super geklappt, der Sprachkurs hat mir sehr geholfen, teils als Auffrischung der Kenntnisse, teils aber auch mit neuem Stoff, und das zweite Vorbereitungsseminar mit Max Steiner hat nochmal geholfen uns perfekt vorzubereiten.

Einziger Dämpfer, der mir in diesem Bereich versetzt wurde, ist natürlich, dass unserer bisheriger Hostel-Don Balbino sich wohl mit der Hauseigentümerin Frau Dehmel überworfen hat, und jetzt zum Jahresende hin das Hostel verlassen hat. Er hat mir besonders in der ersten Phase sehr geholfen mich zurechtzufinden, auch durch seine doch guten Deutschkenntnisse.  Doch auch hier kann ich nach vorne sehen, der dehmel‘sche Sohn Alberto hat nun vorerst das Hostel übernommen, und es ist auch schon ein dauerhafter Nachfolger im Gespräch.

4. Kurzer persönlicher Erfahrungsbericht

Mir macht die Zeit hier unheimlich Spaß, die Möglichkeit in ein ganz anderes Lebensgefühl ein Jahr lang hinein zu schnuppern, andere Menschen und ihr Leben kennen zu lernen und nicht zuletzt diesen mir unbekannten Kontinent zu erkunden. Die Arbeit macht mir Spaß, vor allem auch die Aussicht mehr Menschen helfen zu können. Natürlich ist es manchmal nervig, wenn aufgrund der üblichen Vamos-a-ver-Mentalität Initiativen im Sand verlaufen, aber das wird mehr als wieder wett gemacht, wenn man sieht wie man sich hier freut, wenn endlich etwas zustande gekommen ist. Auf jeden Fall ist es hier sehr abwechslungsreich, auf Tage, an denen man auch mal nicht weiß, was man tun soll, folgen sofort wieder Tage, die so voll und aufregend sind, dass man glatt vergisst sich zuhause in Deutschland zu melden. Selbstverständlich bedeutet die Zeit hier eine Reduzierung der Ansprüche und Bedürfnisse, aber dafür erlebt man soviel mehr, als man es sich als Zivildienstleistender zuhause vorstellen kann, lernt soviel mehr von den Menschen vor Ort, und hat eine einmalige Gelegenheit ein Jahr lang weit fort von zuhause ein bisschen mehr Selbstständigkeit zu entwickeln.

 

29.3.10 01:50


Viajar

Von Weihnachten bis Ende Januar habe ich mir Urlaub genommen, um Bolivien und Peru zu bereisen. Dabei bin ich zum Teil mit Hostelling, zum Teil individuell, zum Teil in einer großen Gruppe, zum Teil zu dritt mit Janis und Marius gereist.

Am 27. Dezember sind wir (eine Gruppe von 7 Freiwilligen) von Sucre aus nach Cochabamba gefahren, um dort in einem nahegelegenen Nationalpark Kanu zu fahren. Da dies aber bei allen Reiseveranstaltern ziemlich teuer war, haben wir den Plan geändert und sind nach Villa Tunari gefahren. Erst auf der Fahrt fiel uns auf, dass dies einen Abstieg von 2500m auf 300m bedeutet. Dort angekommen waren wir erstmal von der Hitze erschlagen, haben uns dann ein günstiges, aber relativ angenehmes Hostel gesucht, und den nächsten Tag geplant. Aus dem Kanufahren wurde dann eine Rafting-Tour, die uns aber auch sehr viel Spaß gemacht hat. Auch wenn es die nächsten Tage etwas abgekühlt hat, war es trotzdem immer noch angenehm warm. Mit einer Machete ausgerüstet sind wir dann noch einen halben Tag in die Dschungel Peripherie des Ortes los, bevor wir uns auch schon wieder auf den Rückweg machen mussten, um für Silvester wieder in Sucre zu sein.

Nachdem wir Silvester mit den anderen Freiwilligen gefeiert hatten, ging es am 2. Januar los auf die Salz und Silber-Tour, die wir Zivi-Freiwilligen bei Hostelling gratis buchen können. Die erste Station ist dabei die ehemals reichste Stadt Südamerikas, wenn nicht der Welt Potosí. Am Cerro Rico gelegen (nicht etwa dem Cerro Potosí, der liegt bei La Paz). Der „Reiche Berg“ ist auch der Grund für den ehemaligen Reichtum der Stadt Potosí: Früher mehr als 500 Meter höher diente der Berg als Silberquelle der Kolonialmacht Spanien. Da diese aber zuvor stark verschuldet war, floss der Reichtum von Potosí aus nach ganz Europa, sodass z.B. der dreißigjährige Krieg als beiderseits von Potosí finanziert angesehen werden kann. Die Minen, in denen heute aber hauptsächlich Zinn abgebaut wird haben wir besichtigt, und uns des Öfteren den Kopf angestoßen, da die Gänge zum Teil wirklich außerordentlich eng und niedrig, zum Teil nur kriechend passierbar sind. Zudem arbeiten die Arbeiter, die heute in Kooperativen organisiert sind, in bis zu 24 Stunden Schichten, aufgeputscht von Coca, Zigaretten und Alkohol, in den Minen. Der Alkohol wird übrigens in 1L Flaschen zu einer Konzentration von 96% verkauft und mit dem Aufdruck „Buen Gusto“ (Guter Geschmack) beworben. Dazu kommen in den Minen Konzentrationen von Kleinststäuben, die sich in Deutschland kein Umweltminister je erträumen könnte, und die die Lungen nachhaltig zerstören, sodass die Lebenserwartung der Minenarbeiter heute noch kaum bei 40 Jahren liegt. Damit wird ein recht gutes Einkommen erkauft, das der Familie zumindest ein gesichertes Leben bietet, das im Rahmen der Weltwirtschaftskrise mit dem Rückgang der Nachfrage aber auch gesunken ist. Zur Hochzeit Potosís um 1600 war es mit 150.000 Einwohnern eine der größten Städte der Welt. Von da an ging die Bevölkerungszahl zurück, erst in den letzten drei Jahrzehnten hat sie sich wieder über den historischen Höchststand geschwungen, und beträgt heute etwa 170.000 Einwohner.

Außerdem haben wir uns in Potosí die „Casa de Moneta“, das Haus des Münzgeldes angesehen. Ursprünglich wurde hier aus dem Silbererz das Silber gewonnen, in Barren gegossen und in die Münzprägeanstalten der Welt verschifft. Zum Einen kann man die Maschinen und die Öfen, die dafür benutzt wurden, sowie Münzen aus verschiedensten Zeiten und von verschiedensten Orten heute dort besichtigen, zum Anderen aber auch Gemälde der bolivianischen Künstler der Zeit, die dort ausgestellt sind.

Im Anschluss daran bestiegen wir die Flota nach Uyuni, Stadt am Rande und Namensgeberin des „Salar de Uyuni“, des größten Salzsees der Welt, seit Neustem auch dem Ort des größten Lithiumvorkommens der Welt, mit etwa 50% des insgesamt vorhandenem Lithiums auf der Welt. Das ist auch gleichzeitig die größte Bedrohung dieses einzigartigen Naturwunders. Die maximale Seelänge N-S beträgt dabei 110 km, die maximale Breite O-W 140km und der See hat eine Fläche von 12.000 km². Nach einer Nacht in Uyuni machten wir uns auf den See und seine Umgebung zu erkunden. Dabei verbrachten wir den ersten Tag damit auf der bis zu 30m starken Salzkruste zu einer Insel des Sees zu fahren. Erste Station war dabei ein Eisenbahnfriedhof am Rande des Salars, der Aufgrund der vielen als unrentabel stillgelegten Eisenbahnlinien in Bolivien gut bestückt ist. Dann ging es weiter zur größten Insel des Salars Die Insel ragt als karger, nur von Kakteen bewachsener, brauner Fels aus dem weißen Meer hervor. Auf dem Weg und dort haben wir die typischen Salarfotos gemacht: Aufgrund des weißen Bodens und des weißen Hintergrundes bis zum Horizont ist es extrem schwer Entfernungen einzuschätzen. Die Nacht verbrachten wir dann am Rande des Salars, allerdings nicht in einem der berühmten, aber auch teuren Hotels aus Salz. Am nächsten Tag sind haben wir dann dem Salar den Rücken gekehrt, und sind in den südlich gelegenen Altiplano-Nationalpark gefahren. Dort haben wir uns die nächsten zwei Tage aufgehalten und die vielen unterschiedlichen, bewundernswerten Sehenswürdigkeiten besucht. Dabei waren wir bei der Roten, der weißen und der grünen Lagune, die von Mikrobakterien so eingefärbt werden, und haben die vielen Flamingos gesehen, deren Population dort in den letzten Jahren laut unserem Führer aber stark zurückgegangen ist. Zudem waren wir in einem vulkanisch aktiven bereich des Areals, in dem wir Geysire und heiße Schlammbecken, die auch reichlich mit Schlammbrocken um sich geworfen haben, sodass der eine oder andere von uns danach unfreiwillig verziert war. Vulkanischer Höhepunkt war dabei natürlich das Baden in den heißen Quellen an der weißen Lagune, die zwar in einem Betonbecken gefasst sind, aber trotzdem etwas ganz besonderes sind. Nach diesem Bad ging es dann auch schon wieder Richtung Uyuni, um von dort nach La Paz weiterzureisen. Dort endete nach einer umfassenden Stadtrundfahrt auch das Programm der Hostellingtour.

Auf eigene Faust unternahmen wir dann noch mit einem anderen Anbieter eine Mountainbiketour. Diese führte uns von La Paz über 3.650 Meter hinab nach Coroico, und das auf nur 68 km. Durch die schmale Straße und die gewundene Straßenführung immer am Abgrund entlang, ist die Sicht sehr beschränkt, und bevor diese Straße durch eine neue Trasse entlastet wurde, kam es hier jedes Jahr zu tödlichen Unfällen, die diese Straße zur gefährlichsten der Welt machten, was auch zu ihren Beinamen „Camino de la Muerte“, „Death Road“, also Todesstraße führte. In etwa 4 Stunden sind wir diese Straße nun heruntergefahren, von den schneebedeckten Gipfeln der Anden bis zu den Bananenplantagen. Bei vielen Pausen sind mindestens ebenso viele tolle und beeindruckende Bilder entstanden, die jedoch die beeindruckende Landschaft  und den tollen Ausblick nur bedingt übermitteln können.

Des Weiteren haben wir uns von La Paz aus Tihuanacu angesehen, eine Tempelanlage der nach ihr benannten Tihuanacu-Hochkultur, die den Südamerikanischen Kontinent lange und lange Zeit vor den im Vergleich unbedeutenden Mayas und Inkas beherrschte. Die Tempelanlagen sind schön restauriert, haben aber während der Kolonialzeit unter ihrem Gebrauch als Baumaterialsquelle deutlich gelitten. Sie besteht aus drei Tempeln, die die Dimensionen der Tihuanacu symbolisieren. Da gibt es zum einen den Tempel, der in den Boden hineingearbeitet ist, und die Unterwelt darstellt, die Pyramide, die sich zur Sonne nach oben hin reckt, und den Tempel, der die Ebene der Menschen darstellt. Übrigens hatten die Tihuanacu um 3000 vor Christus einen Kalender der sich aus 12 Monaten a 30 Tage und einem Neujahresfest a 5 Tage, das alle 4 Jahre 6 Tage dauerte, zusammensetzte, und dessen Genauigkeit abgesehen vom antiken Ägyptischen Kalender erst wieder im 16.Jahrhundert durch der Einführung des Gregorianischen Kalenders in Europa erreicht wurde.

Nachdem wir nun einige Tage in La Paz waren, haben wir, Marius, Janis und ich, uns von der Großgruppe abgespalten, und sind nach Peru gereist. Nach 36 Stunden Busfahrt inklusive Grenzübertritt, haben wir dann Lima erreicht, dort einen Nachmittag verbracht, und sind dann weitergefahren nach Trujillo, von dort direkt nach Huanchaco ans Meer. Huanchaco ist ein relativ kleiner Ort, der hautsächlich von peruanischen Touristen besucht wird, und als Surf-Paradies beworben wird. Aufgrund der Tatsache, dass es so klein, und nur wenig international besucht ist, ist es auch sicherer als z.B. Mancora, die nächste größere Stadt im Norden. Dort haben wir dann viel Zeit damit verbracht Surfen zu lernen, und uns zu verbessern. Beim Campen im Hof eines Hostels und am Strand, haben wir dabei viele verschiedene Leute, hauptsächlich Peruaner kennengelernt, mit denen wir uns aufgrund unserer fortgeschrittenen Spanischkenntnisse gut unterhalten konnten. Außerdem haben wir noch Chan-Chan besucht, die größte präkolumbische (Nicht zu verwechseln mit präkolumbianisch&hellip Stadt Südamerikas, von der immer noch mehrere Königspaläste übrig sind. Diese sind zwar komplett aus Lehm gebaut, aber da es hier nur alle 15 Jahre zu bedeutenden Regenfällen durch El Niño (den Kleinen) kommt, sind diese noch gut erhalten. In Chan-Chan selbst sind übrigens die Regelmäßigkeiten des Zusammenspiels von El Grande und El Niño als Darstellung an einer Wand festgehalten. Danach herrscht El Grande vor, der von Süden kaltes, sauerstoffreiches Wasser bringt, und für guten Fischfang sorgt, während El Niño alle 15 Jahre warmes Wasser aus dem im Norden gelegen Äquatorbereich bringt, was für eine Verschlechterung der Fangergebnisse sorgt.

Nachdem wir uns nun 2 Wochen in Huanchaco aufgehalten hatten, machten wir uns auf den Rückweg nach Bolivien. Aufgrund der starken Regenfälle und der Überflutungen fiel allerdings ein Abstecher nach Machu Picchu aus, den wir aber noch nachholen wollen. Nach einer Rückreise, die unbedeutend kürzer war als die Hinreise waren wir wieder in La Paz, und sind von da aus weiter nach Sucre, von wo aus ich dann wieder nach Tarabuco zurückgekehrt bin, um dort noch Februar und März zu verbringen.

29.3.10 01:54




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